Dinge an Schulen die zwar gut klingen aber absolut nicht funktionieren

  • Lehrer als Elternersatz

“PSHE takes place for all senior pupils on a Monday afternoon and gives pupils an opportunity to reflect on society, current affairs and pressing issues of the day. “

Ein solches Konzept klingt erstmal schön (ein enge Gruppe Schüler trifft sich einmal in der Woche um mit einer ausgebildeten Lehrkraft über ihre Probleme, den dritten Weltkrieg oder was auch immer zu reden), funktioniert aber überhaupt nicht. Kein Schüler hat jemals irgendetwas, worüber er reden möchte. Wenn es doch etwas gibt, wird es in Unterhaltungsmedien, die dazu genutzt werden, die Zeit ohne relevante Gesprächsthemen zu überbrücken, untergehen. 

Naja, immerhin gucke ich jetzt wohl Stranger Things 3 zum fünften mal, diesmal halt mit fünf Chinesen und einem alten Mann.

  • Ein Kopfhörerverbot

Es gibt in dieser Schule gefühlt mehr Computerräume als normale Klassenzimmer (auf jeden Fall halte ich mich besonders oft in Computerräumen auf), wie sinnvoll ist dann ein Kopfhörerverbot? Ich sitze oft in der Bibliothek und benutze meine Kopfhörer, weil ich z.B. in Creative Digital Media ein Video analysieren soll. Dabei komme ich natürlich oft in den Konflikt mit Lehrern, die zwar zugeben, dass die Regel Schwachsinn ist, diese aber trotzdem befolgen. Naja…

  • In einer Hafenstadt nach einem Regen auf den höchsten Gipfel steigen

Immer Dienstag und Donnerstag muss ich Sport machen. Irgendwann habe ich mich dann für irgendwo rumjoggen entschieden. Eine sehr junge und nicht sehr selbstsichere Lehrerin läuft mit vier sehr sportlichen und vier sportabstinenten Teenagern (Hmm ratet mal in welche Kategorie ich gehöre) auf einen matschigen Berg, auf den der unabgeschirmte Wind, der direkt vom Meer hinüberkommt, trifft. Das klingt echt nicht schlimm, aber man unterschätzt das wirklich. Manche sind auf Steine gefallen und haben angefangen zu bluten. Die meisten sind aber für den größten Teil einfach mehrere Meter gerutscht und dann im Matsch gelandet. Das ist ja erstmal auch gar nicht schlimm, die Lehrerin ist aber jedes mal, wenn jemand zwei Meter gerutscht ist, komplett in ihrem Nervenzusammenbruch versunken. Großartig! (War witzig, mache ich wieder.)

  • Eine Schuluniform im Sinne der Gleichstellung der Schüler

Eine Schuluniform klingt in der Theorie erst mal ganz gut und wirksam. Ich habe aber andere Erfahrungen gemacht.

  1. Ich fühle mich nicht der Schule, den Lehrern oder Mitschülern näher verbunden, Identität schafft die Schuluniform (zumindest für mich) nicht
  2. Jeder der etwas auf sich hält spart auf eine Apple Watch oder ein MacBook Pro, der Gedanke der Gleichstellung ist schön wird aber umgangen. Eine Schuluniform hat der Gleichstellung vor 50 Jahren mal geholfen, jetzt werden digitale Medien im Unterricht zentral eingebunden. Vielleicht liegt das aber auch an der Schule, die viel Wert auf das Konzept “Bring your own device” legt.
  3. Irgendwie regt sich sogar der Schulleiter über die Schuluniform auf und veranstaltet deswegen regelmäßig “besondere” Tage, an denen jeder tragen darf, was er will.
  4. Es gibt ja oft das Argument, dass sich ein Gefühl der Sicherheit verbreitet, weil jeder der nicht zur Schule gehört einfach zu erkennen ist – nein. Es laufen den ganzen Tag so viele Bauarbeiter, Externe und Eltern herum, dass dieses Argument nicht hinhaut.

Am Ende kann ich natürlich nicht für Schuluniformen im Allgemeinen sprechen, aber ich habe nicht das Gefühl, dass diese hier irgendetwas verändern. Die Tage, an denen wir keine Schuluniform tragen müssen, unterscheiden sich überhaupt nicht.

  • Eine Schülerbibliothek

Die Bücher sind alle komplett eingestaubt. Willkommen im 21. Jahrhundert!

  • Eine Schwimmgala

Ein einfacher Sportwettbewerb – in der Praxis war es aber vor allem Schmach für die Zurückgebliebenen (also auf der Bahn zurückgebliebenen).  Es war aber lustig, ins Publikum zu schauen und nur die drei jungen Lehrerinnen die noch keiner kennt klatschen zu sehen. Ich bin im selben Haus wie die zwei einzigen wirklich guten Schwimmer der Schule – vermutlich werden wir gewinnen. 

In dieser Schule kann man so viel frei wählen – alle Fächer, wann man essen möchte, auf welche Weise man die Hausaufgaben erledigt, ob man einfach keine Hausaufgaben macht und seine gute mündliche Note riskiert – aber ich verstehe wirklich nicht, wieso ich zweieinhalb Stunden Menschen zugucken muss, die genauso schlecht schwimmen können wie ich.

Es war seeeeehr langweilig.

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Dinge an Schulen die zwar absolut nicht gut klingen aber gut funktionieren

  • Optionale Hausaufgaben

Hier muss man die Hausaufgaben nicht machen, es ist eher ein Teaser, was nächste Stunde gemacht wird. Wenn man sie gemacht hat, kann man natürlich punkten. Wenn man mit dem Thema mitgekommen ist und sich aktiv entscheidet, die Hausaufgaben anstatt zuhause spontan im Unterricht zu machen, kann das genauso gut funktionieren. Meiner Meinung nach ist das ein sehr viel besseres System, funktioniert aber natürlich nicht bei allen Fächern.

  • Komplett eigenständige Organisation und anderer Ansatz bei den Fächern

Es gibt hier keine Klassenstrukturen, die einzige Gruppierung, die existiert, ist die Gruppe in der man sich morgens trifft, um zu überprüfen, ob alle da sind. Ansonsten bekommt man halt einen Stundenplan, den man sich selbst zusammengewählt hat, wenn man da mal eine Stunde verpasst, wird das aber auch einfach ignoriert (der Stoff fehlt dann halt). Wenn man eine Klassenarbeit in der Stunde eines anderen Lehrers schreibt, dauert es eine Minute, das abzusprechen.

Ein spannendes System, besonders im Vergleich zu Deutschland, wo man 80 % in festgesetzten Klassen verbringt und lieber viele Fächer als einige wenige Fächer so richtig macht. Ich habe hier aber auch das Gefühl, zwar meinen Interessen zu folgen, aber die klassischen Fächer wie Mathe oder Naturwissenschaften habe ich nur in sehr geringem Maße, alle Naturwissenschaften wurden zum Beispiel in ein Fach zusammengefasst. Ich habe die selben Richtlinien zur Fächerwahl wie auch die Schüler die hier tatsächlich über einen längeren Zeitraum an der Schule bleiben gehabt und ich habe das Gefühl dass mir Grundbausteine wie tiefer gehende Mathematik fehlen.

Vielleicht ist das mein Gehirn, dem in Deutschland eingeredet wurde, dass es Parabeln , Lateinvokabeln oder den waagerechten Wurf braucht, um im Leben zurecht zu kommen (und das ist definitiv nicht der Fall), aber ich habe in den drei Wochen, die ich bisher hier war, definitiv mehr für mich interessanten Stoff gelernt als sonst in Deutschland. Es erscheint mir aber nicht so, dass das Schulsystem hier, bei dem man viel früher viel freier nach eigenen Interessen wählen kann (also auch Mathe und Naturwissenschaften bis auf wirklich wenige Stunden in der Woche runtersähen) weniger für das Berufsleben gewappnete Menschen hervorbringt.

  • Mit einer Lehrerin Yoga machen

Ich habe gerade eine halbe Stunde mit meiner Lehrerin Yoga gemacht, sie hat uns währenddessen erzählt, wie wichtig es ist, auf den eigenen Körper zu achten. Ich habe es genossen. Ich gehe hier nie wieder weg (und ich suche mir Yoga – Stunden).

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Dinge an Schulen die zwar gut klingen aber absolut nicht funktionieren