Alles was man für einen Schüleraustausch ans Dover College wissen muss – Meine Erfahrungen

Ich war im Januar 2020 bis zum März 2020 für drei Monate in Dover und habe dort eine schöne Zeit gehabt. Ich war, wie 35% der Schüler mit mir, als Boarder im Dover College, habe also dort geschlafen. Die Boardinghäuser sind schön, aber renovierungsbedürftig. Die Schule hat nur um die 300 Schüler und Schülerinnen, dafür aber umso mehr Lehrer und Lehrerinnen. Die Klassen sind alle generell sehr viel kleiner, normalerweise um die acht Schüler in einer Klasse. Die Schule ist akademisch nicht sehr ambitioniert, es wird mehr Wert auf die Interessen der einzelnen Schüler gelegt. Es geht nicht ums pauken, stattdessen geht es darum, das Angebot aus einer ganzen Menge zu finden, das zu jedem Schüler am besten passt. Es gibt Modedesign als Fach, man kann Bauchtanz als AG lernen, man kann als Sport auf dem Meer segeln – vieles ist möglich. Ich war oft in der Situation, dass sich ein Lehrer für eine halbe Stunde mit mir hingesetzt hat und individuelle Tipps gegeben hat, was mir sehr geholfen hat. Kunst ist in dieser Schule sehr wichtig, es gibt viele Projekte und Fächer wie Photographie oder Malen.

Ich hatte nie das Gefühl, nicht in einen Unterricht gehen zu wollen (ich hatte keine Pflichtfächer), sondern bin immer gerne in Drama, Creative Digital Media, Englisch für Ausländer oder Photographie gegangen. Besonders Creative Digital Media hat mir sehr gefallen, da es sehr interessanten Stoff über die Psychologie hinter Massenmedien gab und der Lehrer, Mr Wilkinson, großartig erklären kann. Ich hatte noch nie einen so guten Lehrer.

Der Stundenplan ist nicht so großartig, da es den ganzen Tag über nur Doppelstunden gibt, mit Pausen zwischen zwei Stunden. Da aber dummerweise die erste Pause nach drei Pausen stattfindet, gibt es Pausen mitten in einer Doppelstunde und man muss beim Fachwechsel zum nächsten Raum rennen.

Die Schuluniform ist hier ziemlich wichtig, man muss sie (natürlich in der Schule, aber sogar auch) in der Stadt tragen. Sie sieht so aus:

(Für Jungen)
(Für Mädchen)

Die Stadt ist leider eher nicht so schön. Es gibt größtenteils Spielautomaten und Pubs, ich bin nicht einmal in der Stadt gewesen und habe nicht Polizisten getroffen, die irgendwelche Leute auf Drogen festnehmen. Es gibt einen guten Chinesen, einen Italiener und einen KFC in Reichweite der Schule. Es gibt ein Kino, was ganz nett ist, als Boarder hat man aber normalerweise Sonntags genug Zeit, um ins Kino zu gehen.

Ich bin mit dem Essen in der Schule nicht sehr zufrieden, ich hätte gerne weniger fettige Pommes und Fleisch und mehr Salat. Vielleicht ist das aber auch nur der Fast – Vegetarier, der da aus mir spricht.

Morgens um 7:30, vor der Schule um 8:30, nach der Mittagspause um 13:45, vor der Hausaufgabenzeit um 19:00 und am Abend um 21:00 Uhr müssen wir täglich vortreten und einmal “Yes, Sir!” sagen, um sicherzustellen, dass wir noch da sind. Ist ein bisschen nervig, man gewöhnt sich aber daran.

Es gibt insgesamt 4 Häuser, 2 Mädchen- (Duckworth + St. Martins) und 2 Jungenhäuser. (School House + Lemington). Alle Schüler sind in einem dieser vier Häuser. Es gibt auch (wie in Harry Potter) Hauspunkte, genannt Merits / Demerits. Ich habe Hauspunkte bekommen, in dem ich z.B. eine gute Präsentation gehalten habe oder einen Film gut geschnitten habe. Auf das System wird aber nicht sehr viel Wert gelegt, die Merits stehen halt am Ende auf dem Zeugnis und der Gewinner wird am Ende einfach genannt.

Montag morgens gibt es eine Schülervollversammlung, Dienstags und Donnerstags morgens und Freitag nachmittags gehen wir in die Kirche. Das heißt: Jeder muss in die Kirche, auch wer das nicht möchte. Es würde der Lautstärke und der Stimmung in der Kirche definitiv helfen, wenn man das freiwillig auswählen könnte. An den anderen Tagen gibt es House Time, es gibt ein riesiges Zimmer mit Tee, Nudeln, vielen Sofas, einer Ps4 mit ein paar Spielen und einen Tischkicker. Montags und Dienstags nachmittags gibt es Activities. Day Boys/Girls können wählen, ob sie teilnehmen wollen, Boarder müssen teilnehmen. Es gibt Sport z.B. Hockey, supervised Preparation for the next day… Ich mache Drama, es gibt also Proben für das Chicago – Musical. Dienstags und Donnerstags nachmittags gibt es Games – Rugby, Tischtennis, Crosscountry (Joggen), Hockey, Tennis, Schwimmen, Reiten bis hin zum Segeln… Ich mache entweder Tischtennis oder Crosscountry, je nachdem worauf ich Lust habe.

Das ganze hört sich hier alles sehr geregelt und strikt an, man bekommt es aber gar nicht so mit. Jeder trägt die Schuluniform, es ist komplett normal. Jeder hat einen vollen Stundenplan, darüber beschwert man sich also nicht.

Und eines kann ich versichern: Hier wird es nicht langweilig. Ich hatte gerade das Gefühl, im Alltag angekommen zu sein, da wurde bei der allmontaglichen Schülerversammlung im Sinne der Sicherheit im Netz eine Präsentation von einem Lehrer gehalten – wohl eher anders als geplant. Es war eher eine Zurschaustellung der liebsten Memes der Lehrer, es ging weniger um Sicherheit im Netz. Die Situation war die folgende: Es sitzen eine Menge hochgelobte Lehrer und Schüler in einem Raum und der Lehrer der beauftragt wurde die Präsentation zu halten zeigt dieses Video in voller Länge:

Dieses Video lässt sich alleine in Ruhe sicherlich gut anschauen, mit hochgebildeten Lehrern in einer Kirche in der sonst immer nach absoluter Ruhe verlangt wird aber eher weniger.

An dieser Schule kann man prima neue Sachen ausprobieren. (Und die Lehrer sind sich nicht zu schön dafür, in einer Kirche die Lieblingsmemes zu präsentieren). Wenn man dabei noch etwas Englisch lernt, sind das die perfekten drei Monate, um mal etwas aus dem Alltag in Deutschland herauszukommen.

Ich fand meine Zeit dort wirklich sehr schön und ich würde es auf jeden Fall noch einmal machen. Im Moment ist mein größtes Problem eher dass ich jetzt einen großen Kontrast zwischen dem dortigen und dem hiesigen Unterricht gibt: Ich habe mich jetzt in drei wunderschönen Monaten vom in der Reihe sitzen und still sein sehr stark wegentwickelt und mache ich jetzt schon auf einen harten ersten Schultag gefasst, wenn ich realisiere, dass es jetzt kein Highspeed Internet mehr gibt und statt neuen iMacs alte Windows Computer die eine ganze Weile brauchen zum hochfahren. Aber das war es wert!