Überleben auf einer langweiligen Familienfeier mit einem Altersdurchschnitt über 60

Gute Gesprächsthemen:

  • Wie groß doch alle geworden sind
  • Was letztens im örtlichen Kaffeeklub passiert ist
  • Die eigenen Noten
  • Wie dünn man selbst doch ist, dieses Spielchen sollte man aber nie umdrehen
  • Familientraditionen
  • Wetter
  • Die buxtehudische Mythologie

Besser nicht ansprechen:

  • Alter 
  • Politik (vor allem nie Kritik an der CDU ausüben)
  • Die eigene Computernutzung, es gibt keinen anderen möglichen Ausgang als eine halbe Stunde lang Rentnern zuzuhören, die in Word die Schrift fett machen  können und deswegen das Gefühl haben, sie haben den Computer besser als man selbst durchdrungen 
  • Musik
  • Haare
  • Piercings
  • Tatoos 

Zu empfehlen:

  • Möglichst schnell sämtliche dunkle Ecken im Raum ausmachen und ggf. verschwinden
  • „Bauchschmerzen haben“, um mindestens halbstündige Pausen zwischen dem Gesprächswirrwarr herzustellen
  • Wegrennen, wenn das Gespräch auf die Kindheit fällt. Es gibt nirgendwo bei einem alten Menschen mehr Motivation, langweilige Geschichten zu erzählen
  • Schnell reden, damit keiner folgen kann. Das Gespräch wird möglichst schnell abgebrochen werden und man selbst wird sehr intelligent wirken.
  • Davor das Datenvolumen aufladen
  • Nicht mal versuchen, sich an Namen zu erinnern
  • Alle Geschenke Bunkern und dann verschwinden
  • Sich eine Switch mit Overwatch von einem Freund leihen
  • Kein Hemd anziehen, um deine Meinung zu der ganzen Aktion allen zu präsentieren (Noch besser: Ein halb zerrissenes Tshirt mit DABbendem Einhorn drauf, ich habe Erfahrung)
  • Besonders bei alten Menschen immer ironisch und sarkastisch unterwegs sein. Wenn es irgendeinen im Raum gibt, mit dem man ohne den Verlust der Seele Zeit verbringen kann, wird er oder sie das verstehen und dich anlächeln. Dann hat man die Gesellschaft für den Abend ausfindig gemacht.
  • IMMER bei schlechten Witzen mit einem schläfrigen Gesichtsausdruck daneben sitzen und nicht bewegen
  • Nie Happy Birthday  anstimmen.  Keiner kann Englisch.

Ich hoffe, dass niemals ein tapferer Krieger von dieser Liste Gebrauch machen muss. Wenn doch, möchte ich ihn wissen lassen, dass ich ganz fest an ihn glaube. Und ja, es ist auch für die 180ste Person unfassbar interessant, wie groß du geworden bist. 

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Eine große Box Klamotten

Eine Schuluniform ist natürlich ein Muss. Also rauf auf die Internetseite und erstmal ausgemessen werden. Als ich die ganzen Werte eingetragen hatte, kaufte ich alles, was auf der langen Liste stand, die ich bekommen hatte. Mein Verstand hatte jetzt das vollendete Gefühl, bald nach Hogwarts zu fahren.

Einige Zeit später stand plötzlich ein riesengroßer Pappkarton in unserem Treppenhaus, der entpackt werden wollte.

Neben 10 verschiedenen Arten Socken gab es vor allem ein schönes Jackett mit Schulwappen und einer dazu passenden Hose. Ansonsten gab es nur tausend verschiedene Sportbekleidungen für die unterschiedlichsten Gelegenheiten, alle in sehr cooler schwarz – rot – Optik, passend zu dem Haus, in dem ich schlafen werde. Ich hoffe nur, dass mir irgendjemand immer genau sagt, wann ich was zu tragen habe, sonst wird das ganze ein Desaster.

Auch wenn wir alles genau ausgemessen haben waren manche Sachen zu klein, es lohnt sich also auf jeden Fall trotzdem eine Größe größer zu kaufen.

Da ich das aber nicht wusste, bin ich mit einer Retoure, deren Karton fast genau so lang war wie meine komplette Arm Spannbreite, durch die halbe Stadt gelaufen. Das neue Paket ist bisher noch nicht angekommen.

————————- UPDATE (original 5 minuten später): —————————

Jetzt passen auf jeden Fall alle Klamotten, aber der Weg dahin war schwer:

Ich präsentiere: Intellekt auf höchstem Niveau feat. Ich
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Meditationsunterricht und Michael – Jackson – Musicals

Ich wollte natürlich im Voraus erst noch einmal gucken, ob diese Schule das Geld und die Zeit Wert ist. Nachdem ich also nach einer langen Fahrt durch die Untergrundbahn Londons in einem Hotel in Dover angekommen war, wurde mir etwas eigentlich sehr selbstverständliches klar:

Wände sind wind- und wetterundurchlässige Mauern

Fenster sind dasselbe, nur sind diese durchsichtig

Was keinen Sinn macht, sind Fenster, die winddurchlässig sind

Das lässt sich dann nicht mehr mit irgendeinem schönen Wort wie “Fenster” umschreiben

Das sind schlicht und einfach Löcher

Nach einer sehr kalten Nacht war ich mir schon nicht mehr ganz so sicher, ob England eine so weise Wahl gewesen ist. Als ich dann aber aufgeregt wie Bolle tatsächlich vor der großen Steinmauer um das College herum stand, hatte ich weniger das Gefühl einer normalen Schule, sondern mehr das Gefühl, ich wäre gerade in Hogwarts angekommen. Die Gebäude sahen uralt aus und überall liefen Schüler mit Schuluniformen herum. Allein das war für mich deutschen Teenie ein so unnatürliches Bild, dass ich erstmal zwei Minuten lang dumm herumstarrend dastand, bis mich endlich eine sehr nette Schülerin aus meinem Fluch befreite und mich ansprach. Sie fragte mich, ob ich Hilfe bräuchte. Ich war sehr verwirrt, (Warum sollte mich eine Schülerin einfach so ansprechen?) sagte ihr dann aber, dass ich gerne zum Direktor wolle. Sie nahm das als ganz normal wahr. Generell waren alle in England so unfassbar nett, dass man sich fast schon geschämt hat, die Zeit dieser großartigen Menschen zu stehlen.

Das Gespräch mit dem Direktor folgte, was zu meinem Glück sehr gut lief. (“What a super boy MrFresch is, Gareth {der Schulleiter} said he wanted him to stay here for ever!”) Dann haben wir eine Schulführung bekommen. Das war sehr interessant. Beispielsweise gab es dort das älteste Gebäude der Welt, das immer noch für den ursprünglichen Zweck benutzt wird – Essen. Ich habe die Schlafräume gezeigt bekommen, mir wurde versichert, ich würde ein Einzelzimmer bekommen. Es gibt dann auch wie in Harry Potter Häuser. Diese führen ab und zu sogar Wettbewerbe durch, wenn ich da bin wird es ums Schauspielern gehen. Was ich besonders krass fand: Es gibt sogar Haus – Punkte, die man sich für das Haus verdienen kann oder die man auch verlieren kann. Ich bin endlich zu 100% in Harry Potter angekommen. Wir haben die Physik- und Chemieräume angeschaut, die eine komplett andere Atmosphäre als deutsche Räume haben. Gruppentische, überall Gebasteltes, man konnte förmlich den Spaß an der Wissenschaft spüren, den jeden Tag mehrere Menschen dort haben. Als ich danach wieder in Deutschland war, fühlten sich die Tischreihen und die schlichte Tafel sehr trostlos an. Besonders fand ich auch, dass es “Entspannungsstunden” für die überarbeiteten Schüler gab. Ein schöner Raum mit toller Atmosphäre und einer vorgelesenen Geschichte. Mir wurde gesagt, dies sei sehr meditativ. Nach einem Abschlussfoto vor dem großen Wappen vom Dover College ging es ab nach London.

Wir waren in einem sehr coolen Hotel – “Citizen M”, direkt vor dem Tower of London. Auch wenn das Zimmer sehr klein war, hat mich der Blick auf den Tower wirklich umgehauen und die Smarthome – Technologie (wohl eher Smartroom), die dort Anwendung fand, hat sich in meinem Kopf zu dem festen Wunsch entwickelt, irgendwann auch mal so etwas zu besitzen. Wir haben viel eingekauft – nützliches und komplett irrelevantes – ich war zum ersten Mal in einem Hard Rock Café.

Eine Stunde später lag ich mit Bauchschmerzen im Bett. Ich habe die Neuverfilmung von Aladdin geguckt, ein Film den ich sehr gut fand, auch wenn die Kritiken wohl sehr auseinandergehen.

Am nächsten Tag haben wir unsere gigantische Shopping – Tour fortgesetzt. Wir waren im Sherlock Holmes Museum, was ich sehr genossen habe, und haben uns am Ende des Tages noch das Michael – Jackson – Musical angesehen. Im Saal war eine gute Stimmung und es war definitiv schön anzuschauen, hat sich aber mit der Zeit sehr gezogen. Vermutlich bin ich einfach nicht innerhalb der Zielgruppe des Musicals.

Am Sonntag sind wir wieder zurückgefahren, in dem Emailverkehr währenddessen hat sich meine Entscheidung festgesetzt: Da will ich hin!

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